Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Hösbach-Bahnhof

Über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Hösbach-Bahnhof gibt es nur wenige Unterlagen.

Es existiert ein Protokollbuch, das 1935 vom damaligen Schriftführer August Ihlée nach einer längeren Zeit der Untätigkeit der Wehr begonnen wurde und bis heute geführt wird. In den Chroniken der beiden Gemeinden Hösbach und Goldbach, die im Manuskript vorliegen, ist nichts Brauchbares über die Bahnhöfer Wehr zu finden. In der Winzenhohler Chronik ist sie überhaupt nicht erwähnt. In der Hösbacher Chronik ist eine belanglose Notiz enthalten.

 

Die Feuerwehr von Hösbach-Bahnhof ist eine Gründung des Schul- und Kapellenbauvereins, einer Interessengemeinschaft der Bahnhöfer, die sich im Jahre 1900 gebildet hatte. Im Protokollbuch dieses Vereins ist auch die „Geburtsurkunde“ der Bahnhöfer Feuerwehr verzeichnet.

Am 07. Februar 1903 wurde in der Versammlung des Vereins beschlossen, nachdem die Gemeindeverwaltung von Hösbach eine entbehrliche Feuerspritze zur Verfügung stellt, am Bahnhof eine Feuerwehr zu gründen.

Gründungsversammlung am 02. März 1903

 

Die Gründungsversammlung wurde am 02. März 1903 abgehalten. Kommandant wurde Heinrich Schmittner, Adjudant Peter Dorn, Spritzenführer Peter Stein und Steigerführer Theodor Klodt.

15 Männer traten der Wehr bei. Bezirksfeuerwehrvertreter Hotz aus Aschaffenburg leistete Geburtshilfe und schenkte der neuen Wehr 12 Feuereimer. Die Gemeinde Hösbach vertrat Bürgermeister Brückner. „Die Gemeinde schenkte in hochherziger Weise eine alte, reparaturbedürftige Spritze“ heißt es im Protokoll über diese Gründungsversammlung.

Neuer Anfang 1935

 

Die erste Aufzeichnung im Protokollbuch der Feuerwehr von 1935 läßt erkennen, daß in den ersten dreißiger Jahren unter den Einwohnern keine große Neigung vorhanden war, Dienst in der Feuerwehr zu leisten. Kommandant Franz Josef Göhler, der sie nach dem ersten Weltkrieg übernommen hatte, wollte sein Amt niederlegen. Auf gutes Zureden des Kreisbrandinspektors Heim, der auch mit der Einführung einer Pflichtfeuerwehr drohte, und nach Gewährung einer ansehnlichen finanziellen Unterstützung durch Franz Vorgang, dem Besitzer des Furnierwerkes, fanden sich wieder genügend Männer bereit, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Franz Josef Göhler führte dann die Wehr bis 1944. Ihn löste Kilian Beisler ab. Als Beisler 1952 aus Gesundheitsgründen sein Amt niederlegte, sprang noch einmal Göhler für ein Jahr als Kommandant ein, bis Georg Schöneberg im Dezember 1953 so weit ausgebildet war, daß er die Wehr übernehmen konnte. Franz Josef Göhler wurde 1958 zum Ehrenkommandanten ernannt. Unter Schöneberg erreichte die Wehr einen Höhepunkt an Schlagkraft und Kameradschaft. Er bereitete seine Wehrmänner auf die Prüfung für das Leistungsabzeichen vor und stellte eine Jugendgruppe auf. Für seine Verdienste um die Wehr wurde er zum Ehrenkommandanten ernannt, als er sein Amt am 01. Dezember 1962 an Heinrich Schultes übergab. Schultes hat sich besonders um die Vervollständigung der Ausrüstung und Motorisierung der Wehr verdient gemacht. So wurde unter seiner Regie das erste Tragspritzenfahrzeug TSF angeschafft.  Die Wehr war jahrelang in einem Notbehelf auf dem Gelände der Fa. Vorgang untergebracht. In einer nicht einmal abschließbaren und unbeleuchteten Unterstellhalle wurden die Ausrüstungen und Gerätschaften mehr als dürftig gelagert. Dem großen Einsatz und Willen der Wehr unter Heinrich Schultes ist es zu verdanken, dass 1979 durch die Gemeinde Hösbach endlich mit dem Neubau des 1. Feuerwehrgerätehauses begonnen wurde. Schultes wurde zum Ende seiner Amtszeit zum Ehrenkommandanten ernannt. 1980 wurde der damalige Stellvertreter Franz Prakesch zum neuen Kommandanten der Wehr gewählt. Unter Franz Prakesch wurde  das Gerätehaus fertig gestellt und die Wehr mit einem Tanklöschfahrzeug TLF16/24 ausgerüstet und somit auch mit den heute unverzichtbaren Atemschutzgeräten. Die Feuerwehr Hösbach-Bahnhof wurde somit auch ein fester Bestandteil des überörtlichen Feuerschutzwesens im Landkreis Aschaffenburg. Nach 17 Jahren als Führungskraft gab er sein Amt im Januar 1991 an Gotthard Kluger ab und wurde zum Ehrenkommandanten  ernannt. Gotthard Kluger führte seitdem die Wehr und war maßgeblich für die ständige Modernisierung und Erweiterung der Ausrüstung zuständig. Durch die stark wachsenden Anforderungen an die Feuerwehr ist die entsprechende Ausbildung der Wehrleute unverzichtbar, was in seiner Verantwortung lag. Als Meilenstein seiner Amtszeit ist der Umbau und die Erweiterung des bestehenden Feuerwehrhauses im Jahr 2013 zu sehen. Dank seiner Führung wurde mit mehr als 4000 ehrenamtlichen Helferstunden der Feuerwehrmitglieder ein wesentlicher Anteil zum Gelingen des Projekts beigetragen. Die Umbaukosten von ca 300.000 EUR trug im Wesentlichen der Markt Hösbach. Wobei auch einzelne Posten (u.a. Teile der Innenausstattung) vom Feuerwehrverein getragen wurden. Gotthard Kluger wurde zum Ende seiner Amtszeit 2015 zum Ehrenkommandanten ernannt. Sein bisheriger Stellvertreter Christian Prakesch führt seitdem die Feuerwehr Hösbach-Bahnhof als 1. Kommandant.

Jubilarenehrung bei der

Freiwilligen Feuerwehr Hösbach-Bahnhof am 15. Mai 1955.

 

In der ersten Reihe von links: Anton Gerber, Ehrenkommandant Franz Josef Göhler, Wilhelm Germer, Johann Stoll, Bernhard Hahn, Ehrenkommandant Georg Schöneberg,; zweite Reihe von links: Anton Brößler, Karl Hasenstab, Leo Sauer, Jakob Eckert, August Ihlée, Kilian Beisler; dritte Reihe von links: Rudolf Germer; Bürgermeister Lothar Eller, Kreisbrandmeister Max Schiefer, und Oberregierungsrat Dr. Joseph Kippes vom Landratsamt Aschaffenburg. (Foto V. Ihlée).

Die Kommandanten seit Gründung im Jahre 1903

 

             

Heinrich Schmittner    1903 – 1918
Franz Josef Göhler  1918 – 1944
Kilian Beisler   1944 – 1952
Franz Josef Göhler 1952 – 1953
Georg Schöneberg 1953 – 1962
Heinrich Schultes   1962 – 1980
Franz Prakesch  1980 – 1991
Gotthard Kluger  1991 – 2015
Christian Prakesch seit 2015

Die Entwicklung der Ausrüstung der

Feuerwehr Hösbach–Bahnhof.

 

Aus den in der Einleitung beschrieben 12 Feuereimern und der Feuerspritze sind im Laufe der Jahre die verschiedensten techn. Ausrüstungen hinzugekommen. 1958 erhielt die Wehr eine ausrangierte Motorspritze der Feuerwehr Hösbach. Ein Jahr später bekam dann die Wehr ihre erste Motorspritze TS 8  auf einem Anhänger TSA, der im Alarmfall per Traktor zum Einsatzort gebracht werden musste. 1968 wurde das erste Feuerwehrauto der Bahnhöfer Wehr in Dienst gestellt. Ein Tragspritzenfahrzeug TSF auf einem Fahrgestell Ford Transit. Mitte der 90er Jahre konnte die Wehr das alte Tanklöschfahrzeug TLF16/25 Typ MAN der Hösbacher Ortswehr übernehmen.

1997 wurde ein neues Löschgruppenfahrzeug Typ LF8 auf einem Mercedes Allradfahrgestell angeschafft und so die Wehr mit einem schlagkräftigen und der Zeit entsprechenden Einsatzfahrzeug ausgerüstet. Im Jahr 2001 kaufte der Feuerwehrverein Hösbach-Bahnhof ein eigenes Mehrzweckfahrzeug MZF Typ Mercedes Sprinter.

Freiwillige Feuerwehr Hösbach-Bahnhof 1969: Ein Teil der Wehrmänner mit dem neuen Löschfahrzeug. Von links: Manfred Brößler, Josef Prakesch, Josef Lang, Wolfgang Kremer, Gerhard Schrott, Albin Hörner, Gerhard Sommer, Jakob Lang, Robert Heßbacher, Felix Scholz, 2. Kommandant Hans Rothenbacher und Helmut Bieber.

Die Einsätze der Feuerwehr in der Gründerzeit

 

Trotz der nicht immer guten Ausrüstung erfüllte die Wehr ihre Aufgaben. Sie löschte 1938 einen Brand in einem Nebenraum der Bäckerei Albert Hasenstab und 1942 das Feuer, das im Trockenraum der Obstverwertung Theodor Gründwald ausgebrochen war. 1943 war sie beim Brand des Lokomotivschuppens am Bahnhof eingesetzt und im Dezember 1944 legte sie Ihre Schlauchleitungen zu einem brennenden Eisenbahnwaggon, der als Geräteschuppen benutzt wurde, während feindliche Flugzeuge den Ort überflogen. In diesen Tagen wurden die Wehrmänner nach Fliegerangriffen auf den Bahnhof Aschaffenburg auch zur Brandbekämpfung in Goldbach eingesetzt. Im März griffen Tiefflieger Waggons am Bahnhof Hösbach an und schossen dabei die Vorgangsche Scheune in Brand. Die Feuerwehr rettet die angrenzenden Häuser.

Aktivitäten im Verein

 

Neben den typischen  Aufgaben der Feuerwehr lebte und lebt die Wehr auch ein aktives Vereinsleben. Höhepunkte waren sicherlich die beiden Jubiläumsfeste zum 65. Bestehen 1969 in Verbindung mit der Fahrzeugweihe und 1981  zum 75. Geburtstag in Verbindung mit der Einweihung des neuen Gerätehauses. Seit 1981 feiert der Verein auch jährlich das traditionelle Maibaumfest am 30. April . Zum 25. Maibaumfest wurde hierzu auch wieder ein typischer Maibaum mit Wappen und Zunftschildern aufgestellt. Hinzukamen Tages- und Mehrtageausflüge mit dem Bus u.a. nach Paris, Amsterdam, Südtirol, Kloster Andechs, Kloster Weltenburg um nur einige zu nennen. Tradition ist mittlerweile auch das Lakefleischessen in der ersten Januarwoche auf der Wiese der Fa. Hefter, sowie der Wochenendausflug im September der Aktiven nach Oberfranken. Die jährliche Herbstwanderung im Vorspessart oder das Grillen am Fronleichnamstag sind ebenso feste Bestandteile im Vereinskalender. Seit einigen Jahren findet wöchentlich über die Sommerzeitmonate ein offener Lauftreff "Fit-for-fire“ statt und erfreut sich großer Beliebtheit.